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Kann das Glyphosat das PEP beim Menschen ersetzen?

Dabei ist die Frage evtl. Schädigungen im tierischen und menschlichen Organismus noch wesentlich weiter zu stellen: Wie oben gezeigt, ähnelt das Glyphosat dem PEP, der Phosphoenolbrenztraubensäure bzw. Phosphoenolpyruvat, einem der beiden Ausgangs-Stoffe des Shikimat-Weges. Dieser Ausgangsstoff kommt beim Menschen auch vor. Und dies gleich in mehreren Stoffwechselwegen - was liegt näher als die Frage, ob dann, wenn sich Glyphosat im menschlichen Organismus anreichert, nicht auch hier ein ähnlicher Verdrängungs-Mechanismus abspielen könnte wie im pflanzlichen Shikamat-Weg beim sechsten Enzym? Selbst wenn man über diese Zusammenhänge noch gar nichts wüsste - gäbe es irgendjemand, der garantieren könnte, dass das Glyphosat schon keinen Schaden anrichten wird? Natürlich kann es nur die logische Konsequenz geben, dass alles getan werden muss, dass Glyphosat nicht in den tierischen und menschlichen Organismus gelangen darf - jedenfalls, wenn man davon ausgeht, dass für die Gesunderhaltung der Bevölkerung alles getan werden muss.

Das PEP kommt z.B. bei der Glycolyse vor:

In der hier herunterladbaren Mini-Map des Biochemiker Donald Nicholson sieht man sehr schön übersichtlich die Verstoffwechselung der Glucose hin zum Pyruvat. Der Stoff vor Pyruvat ist Phosphoenolpyruvat, das dem letzten Enzym der Glycolyse, der Pyruvatkinase, zugeführt wird und es entsteht mithilfe von ADP das Pyruvat. Wie genau kann man auch bei dem leider verstorbenen Donald Nicholson im Netz nachverfolgen, er hat dazu eine schöne Animation hinterlassen, hier herunterzuladen bzw. aufzurufen. (Dort geht man am besten gleich per ( 9x ) Klicken auf "next process" durch die Glycolyse durch, bis das PEP auftaucht.) Hieran sieht man auch als Nicht-Biochemiker, dass es sein könnte, dass Glyphosat auf die enzymatische Arbeit der Pyruvatkinase einen schädigenden Einfluss nehmen könnte, ähnlich wie es im Shikimat-Weg bei Pflanzen passiert. Bei der PubMed-Suche nach "glyphosate pyruvat kinase" finden sich allerdings nur 2 Treffer, die sich zudem nicht auf den Menschen beziehen. Die jüngere davon von einem Forscher-Team aus Argentinien, das in der Tat eine herabgesetzte Pyruvatkinase-Aktivität im Muskelgewebe junger Krabben, die Glyphosat ausgesetzt wurden, gefunden hat.

Das PEP kommt auch im Citratzyklus und in der Gluconeogenese vor:

Wiederum in der Übersicht sehr schön in einer weiteren Mini-Map von Donald Nicholson zu sehen: Als Vorstufe zum Pyruvat wie schon gezeigt; sodann zweitens innerhalb der Mitochondrien als Produkt der Umwandlung des Oxaloacetats, einem Stoffwechselprodukt des Citratzyklus, mittels GTP (Guanosintriphosphat); drittens in der Gluconeogenese (Neubildung von Glucose), der Gewinnung von Glucose aus Aminosäuren in der Leber.

Wir haben es also mit gleich 3 Enzymen (!!) beim Menschen zu tun, die das PEP benötigen bzw. produzieren:

In der Glycolyse dient das PEP dem Enzym Pyruvatkinase als Substrat, wie gezeigt.

Nach dem Citratzyklus wird mittels des Enzyms Phosphoenolpyruvate carboxykinase (GTP) das PEP gebildet bzw. auch wieder zurück ( abgekürzt heisst das Enzym PEP-carboxykinase).

In der Gluconeogenese dient das PEP dem Enzym Phosphopyruvat Hydratase als Substrat.

Die Annahme "recht ungiftig" dürfte unhaltbar sein

Solange nicht ausgeschlossen werden kann -und wie sollte das möglich sein?-, dass Glyphosat den genannten 3 Enzymen bei Tier und Mensch keinen Schaden zufügt oder durch Chelatierung wichtiger Spurenelemente für Mangelerscheinungen sorgt, ist die sich ausschliesslich auf den pflanzlichen Stoffwechsel beziehende Aussage im Biochemie-Lehrbuch für die generelle Debatte wenig aussagefähig: "Es blockiert die Synthese aromatischer Aminosäuren bei Pflanzen, ist aber für Tiere recht ungiftig, weil ihnen dieses Enzym fehlt."

Insofern Industrie und Industrie-nahe Kreise sich dieses "Arguments" bedienen, wenn es um die mögliche gesundheitliche Gefährdung von Glyphosat bei Tier und Mensch geht, ist es schlicht unhaltbar, schon bei der Betrachtung von nur diesen 3 Enzymen. Einzige Konsequenz, für alle, die logische Schlüsse irgendwelchen interessengeleiteten Verdrehungen vorziehen, kann nur das Verbot von Glyphosat sein.

Glyphosat hemmt das Cytochrom P-450 System

Aber die Schädigung von Enzymen bei Tier und Mensch durch Glyphosat geht noch viel weiter, Zitat Frau Dr. Krüger, S. 12:

"Glyphosat gehört aufgrund seiner chemischen Struktur zu den anionischen kosmotropen Substanzen. Es ist in der Lage Blutproteine auszusalzen, was zur dissiminiernden Koagulopathie in den Blutgefäßen führt. Es hemmt das Cytochrom
P450-System (CYP), von denen es 18 verschiedene Klassen beim Menschen gibt. Es hemmt eines der CYP-Enzyme, die Aromatase, die Testosteron in Östrogen umwandelt."

Der Reihe nach, zunächst ein Ausflug in die Chemie:

Eine "anionische kosmotrope Substanz" ist eine negativ geladene Substanz (weswegen auch die Bindungsfähigkeit an Kationen, positiv geladener Spurenelemente), die eine Stabilisierung der Wasserstruktur bewirkt, im Gegensatz zu chaotropen Substanzen, die diese zerstören. Es gibt also Kosmotrope (Wasserstrukturbildner) und Chaotrope (Wasserstrukturbrecher).

Glyphosat ist ein negativ geladenes Ion, das als Wasserstrukturbildner angesehen werden kann, hört sich das nicht recht positiv an? Leider nein, dann "Blutproteine auszusalzen", sprich Proteine, die im Blutstrom gelöst schwimmen, einer festen Phase zuzuführen und so Mini-Gerinnungsklümpchen herzustellen (dissiminierende intravasale Koagulopathie), ist alles andere als positiv.

Während die Wasserstrukturbrecher die in wässriger Lösung befindlichen Aminosäuren oder Proteine in ihren Wasserstoffbrückenbindungen auflösen (denaturieren), bestärken die Wasserstrukturbildner diese Bindungen und schaffen am Beispiel der Salze ein Ionengitter von positv und negativ geladenen Ionen mit einer Ionenbindung. Wie im einzelnen in der wässrigen Lösung im Inneren einer jeden Zelle ein Glyphosat-Molekül ein Protein / Enzym z.B. aus der CYP-450-Familie schädigen kann, das kann man in dieser Veröffentlichung von Samsel und Seneff 2013 nachlesen: Am Ende des Abstracts schreiben sie:

"We explain the documented effects of glyphosate and its ability to induce disease, and we show that glyphosate is the “textbook example” of exogenous semiotic entropy: the disruption of homeostasis by environmental toxins."

"Wir erklären die dokumentierten Effekte des  Glyphosat und seiner Fähigkeit Krankheiten zu induzieren und wir zeigen, dass Glyphosat ein "Lehrbuch-Beispiel" für eine exogene semiotische Entropie ist: Die Durchbrechung der Homeostase durch Umweltgifte."

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