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IARC Monographie zum Glyphosat

Die IARC = International Agency for Research on Cancer ist eine Behörde der WHO mit Sitz in Lyon. Seit 1971 untersucht diese Agency Umweltschadstoffe wie schädliche Strahlung auf ihre mögiche kanzerogene Wirkung, mittlerweile sind über 900 Stoffe untersucht worden. Im Ergebnis werden sogenannten Monographien veröffentlicht, die Übersicht über sämtliche Monographien findet sich hier. In einer Präambel zu den Monographien hat das IARC seine Arbeitsweise dokumentiert - es empfiehlt sich, diese zu lesen, bevor man an einzelnen Monographien mit falschen Voraussetzungen herumdiskutiert (wie es zuletzt wieder bei der Klassifizierung von rotem Fleisch geschehen ist).

Am 29.Juli 2015 wurde die Monographie Nr. 112 "Some Organophosphate Insecticides and Herbicides: Diazinon, Glyphosate, Malathion, Parathion, and Tetrachlorvinphos" veröffenticht, hier nur das Kapitel zum Glyphosat. Bereits die am 20.März 2015 veröffentlichte Pressemitteilung zu dieser Monographie wurde weltweit mit grosser Aufmerksamkeit aufgegriffen und löste eine verstärkte Debatte insbesondere über die Bewertung des Glyphosats aus, schliesslich ist Glyphosat in verschiedensten Produkt-Zusammensetzungen das mit Abstand verbreitetste Total-Herbizid.

'probably carcinogenic to humans (Group 2A)'

Diese Einordnung 'wahrscheinlich krebserzeugend beim Menschen' war die Sensation. Hatten doch bisher sämtliche behördliche Stellen, von der EPA bis zur EFSA oder dem deutschen BfR dem Glyphosat eben dieses abgesprochen.

Klassifikation: 2A ist nicht 2B

In der Präambel, die auch dieser Monographie wieder vorangestellt ist, lässt sich die genauere Definition der Klasssifikation nachlesen, die das IARC anwendet. Eine Einstufung in die Gruppe 2A bedeutet: "This category is used when there is limited
evidence of carcinogenicity in humans and sufficient evidence of carcinogenicity in experimental animals." "Diese Kategorie wird angewandt, wenn es begrenzte Nachweise für die Krebserzeugung beim Menschen gibt und hinreichende Nachweise für die Krebserzeugung aus experimentellen Tierstudien."

Die Einordung in die Gruppe 2B hingegen heisst 'möglicherweise krebserzeugend beim Menschen' und begründet sich wie folgt: "This category is used for agents for which there is limited evidence of carcinogenicity in humans and less than sufficient evidence of carcinogenicity in experimental animals." Der Unterschied zu Gruppe 2A ergibt sich nicht aus der "Evidenz" beim Menschen, sondern aus der Beweiskraft in Tierstudien: "less than sufficient", "weniger als hinreichend" - diese Unterscheidung ist wichtig für die Auseinandersetzung mit der Auffassung des BfR (s. dort).

IARC ist nicht EPA

Noch ein Unterschied ist wichtig und wird bereits in der Presseverlautbarung des IARC vom 20.03.2015 angesprochen, nämlich die Unterschiedliche Vorgehensweise von EPA und IARC.

"On the basis of tumours in mice, the United States Environmental Protection Agency (US EPA) originally classified glyphosate as possibly carcinogenic to humans (Group C) in 1985. After a re-evaluation of that mouse study, the US EPA changed its classification to evidence of non-carcinogenicity in humans (Group E) in 1991. The US EPA Scientific Advisory Panel noted that the re-evaluated glyphosate results were still significant using two statistical tests recommended in the IARC Preamble."

Die US-amerikanische Umweltbehörde hat also zunächst das Glyphosat als 'möglicherweise krebserzeugend' klassifiziert, dann aber dieses wieder zurückgenommen. Allerdings haben die EPA-Wissenschaftler darauf hingewiesen, dass trotzdem eine Signifikanz vorliegen würde, wenn man 2 bestimmte statistische Tests, die vom IARC in der Präambel benannt sind, anwenden würde. Dieser Punkt ist ist auch wieder in der Auseinandersetzung mit der Argumentation mit dem BfR wichtig.

Von welchen Testverfahren ist die Rede?

 

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